Kurzkrimi-Version gezeichnet von Ralf Alex Fichtner / Schwarzenberg
Nur aus Liebe
Die Nacht war schon alt. Draußen tünchte der helle Vollmond die Bäume und Sträucher in ein fades silberweiß.
Magdalena saß am Schreibtisch ihres Arbeitszimmers. Völlig verzweifelt und fassungslos starrte sie auf die kleine blaue Uhr. Ihre Uhr, das einzige Geschenk von Konrad. Es war kurz nach drei.
Sie stand auf und lief im Zimmer ein paar Schritte auf und ab. Wie konnte es nur so weit kommen?
Angefangen hatte es ganz wunderbar.
Sie, die Ehefrau von Martin, machte auf der Party ihrer besten Freundin vor etwa einem Jahr eine Bekanntschaft. Sie lernte Konrad kennen.
Einen liebenswerten, klugen Mann und fünfunddreißig Jahre alt. Also gute zwanzig Jahre jünger als sie selbst. Bei Magdalena hatte es sofort gefunkt.
In der nächsten Zeit sahen sie sich oft. Sie plante eine gemeinsame Zukunft und glaubte, von ihm geliebt zu werden.
Der große Altersunterschied schien ihn nicht zu stören. Magdalena überhäufte ihn regelmäßig mit Geschenken. Auch seinem Bankkonto ging es in dieser Zeit so gut, wie nie zuvor.
An diesem Abend hatte sie ihrem Mann das Verhältnis zu Konrad gestanden und sie hatte ihm kurz und knapp mitgeteilt, daß sie die Scheidung will. Martin sah sie mit versteinertem Blick an, dann tobte er los und es brach aus ihm heraus: Du mieses Dreckstück, ohne m e i n Geld lässt er dich fallen. Komm dann nicht angekrochen, ohne mich.
Voller Haß griff Magdalena nach der Schere auf dem Schreibtisch und stieß sie tief und fest in Martins Rücken. Er sank schwer atmend in sich zusammen.
Bereits am Vormittag war Magdalena zur Bank gefahren, um das Konto ihres Mannes zu erleichtern. Das Geld, sehr viel Geld, für einen Neubeginn mit ihrem geliebten Konrad hatte sie in der Tasche verborgen, welche schon griffbereit in der Diele stand. Auch hatte sie Konrad einen Treff vorgeschlagen, denn gleich nach der "Aussprache" mit ihrem Mann wollte sie das Haus verlassen. Sie wartete jedoch vergebens auf eine Rückantwort. Immer wieder kontrollierte sie die Nachrichten in ihrem Computer. Konrad meldete sich nicht.
Zur Besinnung gekommen rief Magdalena einen Arzt.
Bis zu seinem Eintreffen war sie damit beschäftigt, die notwendigsten Dinge zusammen zu raffen.
Unerwartet schnell kam Dr. Schwarz. Als die Klingel schellte, nahm Magdalena hastig noch die Geldtasche an sich und öffnete die Haustür. Sie drängte sich an ihm vorbei und verschwand blitzschnell in der Nacht.
Ausgepumpt blieb sie nach einer ganzen Weile stehen und verschnaufte. Sie hörte Schritte, die sich näherten. Ihr gegenüber stand ein Mann mit hochgeschlagenem Kragen, der Hut verdeckte sein Gesicht. Trotzdem bemerkte sie um seinen Mund ein breites Grinsen und erkannte ihn. Es war Konrad. Er hatte die ganze Tragödie vom Garten aus durch das hell erleuchtete Fenster beobachtet.
Noch bevor sie sich bei ihm anschmiegen konnte, warf er sie mit seinen kräftigen Armen zu Boden. Er entriß ihr das Geld und wendete sich mit einem höhnischen Lachen ab. Doch dann hielt er inne, drehte sich zu Magdalena um.
Die schon lange gezogene Pistole blitzte im Mondlicht. Es fiel ein Schuß. Die Dunkelheit verschluckte das Grauen.
Der neue Morgen war schon ganz nah.
Petra Meichsner